MeineMagenOP

Mein Weg in ein neues, gesünderes Leben!

Auf dieser Seite möchte ich - Olli - ein wenig über mich selbst und meinem Weg bis zur OP berichten.

Was schreibt man über sich selbst?

Vielleicht beginne ich mal mit dem Design der Seite, dass wir bewusst so ausgewählt haben, weil ich sehr gerne mit Holz arbeite und ein richtiger „Holzwurm“ bin.
Das Handwerkeln insgesamt – speziell mit dem Material Holz – liegt mir sehr und so musste das Homepagedesign auch irgendwie damit zu tun haben.
Da die Farb- und Schriftauswahl meiner Frau mehr liegt, hat sie sich - neben den leckeren Rezeptideen und der Rubrik "Aus Angehörigensicht" hier eingebracht und wir glauben, dass unsere gemeinsame Homepage ganz ansehnlich geworden ist.

Das Problem mit meinem (Olli's) Übergewicht zieht sich wie ein roter Faden schon länger lückenlos durch mein Leben.
Als junger Erwachsener habe ich es unmerklich und schleichend immer mehr aufgebaut.

Ein Verkehrsunfall 1981 zog einen Riss des hinteren Kreuzbandes* nach sich, der aufgrund ärztlicher Versäumnisse erst 7 Jahre später erkannt, operiert, physiotherapeutisch falsch behandelt, verschlechtert und dann 1994 und 2008 deshalb nachoperiert werden musste.
Durch die Schmerzen ergaben sich Bewegungseinschränkungen, doch der Appetit blieb und so nahm ich mehr Kalorien zu mir, als ich wieder verbrauchen konnte.

*Von einem Kreuzbandriss, auch Kreuzbandruptur genannt, spricht man bei einem unvollständigen oder vollständigen Riss eines oder beider Kreuzbänder im Kniegelenk. In den meisten Fällen ist das vordere Kreuzband betroffen. Die Ursache für einen Kreuzbandriss ist das Überschreiten der Reißfestigkeit des Bandes.


Da ich Brot, Brötchen und Kuchen sehr gerne und auch sehr Wurst- und Fleischlastig aß, nahm mein Übergewicht kontinuierlich zu und immer stärker werdende Gelenkbeschwerden reduzierten die Bewegung weiter.
Auch aufgrund meiner Erkrankung an Depressionen zog ich mich immer mehr zurück, wurde passiver, bewegungsärmer und neigte auch zum „Frustessen“ – woraus sich weitere Ursachen für meine Gewichtszunahme ergaben.
Irgendwann spürte ich ein immer stärker werdendes Durstgefühl, stürzte große Flüssig-keitsmengen in einem Zug herunter, hatte übersteigertes Wärmeempfinden und schwitze auch ohne entsprechende Temperaturen, wurde Kurzatmigkeit und mir war immer wieder Übel – Diagnosen: Diabetes und Bluthochdruck.in Zusammenhang mit einer immer mehr zunehmenden Adipositas.


Die anfängliche Medikation mit Metformin stieg in der Dosierung langsam aber kontinuierlich weiter und am 22.02.2017 kam dann das Unvermeidliche – ich musste beginnen Insulin zu spritzen.
Nun bekam ich jeden Tag meine morgendliche Victoza – und dann jeden Abend meine Lantus- Spritze was – da ich mich nicht selber spritzen kann (Intentionstremor) – meine Frau oder im Vertretungsfall meine Schwester erledigten.
Als Blutdruckmedikament wurde Ramipril verordnet, was ich gut vertrug und nun dauerhaft 1x täglich einnehmen musste.


Doch die benötigten „Victoza“ – und „Lantus“- Dosen stiegen nun auch wieder langsam und stetig an. Es mussten mehr und mehr Einheiten gespritzt werden, um den Blutzucker wieder halbwegs unter Kontrolle zu bekommen.
Inzwischen – das erfuhren wir aber erst später – hatte ein sogenannter „stummer Schlaganfall" - ein "Kleinhirninfarkt“ - stattgefunden und mir als Nebenwirkung einen fast dauerhaft vorhanden Schwindel und den bereits erwähnten Intentionstremor beschert. Ein aufgrund der Sympthome durchgeführtes CT brachte den Aufschluss über die Ursache - ein Kleinhirninfarkt.
Mein Neurologe stellte dann als Folgediagnose meiner Diabetes eine Polyneuropathie fest, die begann, mir das Fein- und vor allem das Temperaturgefühl in meinen Füßen zu redu-zieren.
Ich merkte nicht mehr, wenn ich kalte Füße hatte und musste sie zur Überprüfung jetzt immer mal anfassen, um das zu kontrollieren.
Außerdem spürte ich manchmal ein sehr unangenehmes, schon schmerzhaftes Kribbeln in den Fußaußenseiten und den Zehen.

Glücklicherweise hatte der Diabetes sich noch nicht auf meine Augen ausgewirkt und diese beeinträchtigt.


Doch das alles zusammen und die furchteinflößenden Perspektiven bereits beginnender Folge- / Begleiterkrankungen durch das Übergewicht – inzwischen 160kg!!! hatten mahnende Wirkung genug.
Außerdem wollte ich es nicht soweit kommen lassen, dass ich ständig Blutzuckerkontrollen machen und mich dann nicht nur 2 x täglich, sondern vor jeder Mahlzeit hätte spritzen lassen müssen.
Wir beschlossen gemeinsam, nun deutlich mehr zu unternehmen, als nur nicht zufrieden-stellende Diät- oder Nahrungsumstellungsversuche.


So begannen wir gemeinsam 2014 meine Odyssee auf dem Weg zur Magen- OP mit dem 1. Besuch eines Adipositas- Chirurgen in einem nahegelegenen Klinikum. Dieser nahm sich viel Zeit und erläuterte uns die mögliche OP (damals noch als Bypass- OP gedacht) in allen Facetten und Folgen.


Aber quasi kurz vor dem OP- Tisch verhinderte dann die Krankenkasse durch Verweigerung der Kostenübernahme die OP und ein 6jähriger Kampf um Bewilligung mit Antrag und Widersprüchen nahm seinen Lauf, der dann schlussendlich nur mit Hilfe des Petitionsausschusses - zuerst des regional zuständigen Landtages (bei mir Thüringen) dessen Adressangaben ich aus dem Internet hatte:

      An den Thüringer Landtag
      Petitionsausschuss
      Jürgen-Fuchs-Straße 1
      99096 Erfurt


Meinem Schreiben dorthin fügte ich bei:

1. die Nachweise aller bescheinigten, chronischen Erkrankungen:
- E11.90, G47.39, K21.0, F33.1 G, G25.0 G, F33.1 G, F45.41 G, K29.5 G, E11.72 G, G63.2 G, F33.1 G,
- E11.72 G, F45.41 G, K29.1 G, I10.00 G2. eine Kopie meines Schwerbehinderten- Ausweises:
- 70% Schwerbeschädigung


3. den Nachweis des bescheinigten Pflegegrades:

Pflegegrad III


4. den Befund eines Kleinhirninfarktes mit Nachweis der Infarktfolgen:
- Intentionstremor

- Dauer- Schwindelgefühl


5. sämtliche therapeutischen und fachärztlichen Befunde der letzten Jahre:
- Befürwortung einer Magen- OP aus orthopädischer Sicht
- Unbedenklichkeitsbescheinigung bezüglich meiner Depressions- Erkrankung
- meine Medikamentenliste
- eine Kostenaufstellung meiner aktuellen Medikation (mit Hilfe der Apotheke)
- Nachweise über Ernährungsberatungen
- Psycho- und physiotherapeutische Behandlungsnachweise
- Befundberichte aller aktuell behandelnden Fachärzte


... weiter bearbeitet wurde und vom dem ich  dann – nach relativ kurzer Zeit – mit einer Eingangbestätigung die Information erhielt, dass mein Anliegen zuständigkeitshalber an den Petitionsausschuss des Bundes:


      Deutscher Bundestag
      Petitionsausschuss
      Platz der Republik 1
      11011 Berlin


... weitergeleitet wird und ich von dort erneut benachrichtigt werde, was auch innerhalb eines Monats geschah.


In Überprüfung meines Kostenübernahmeantrages und der – gegen die Ablehnungen der OP- Kostenübernahme durch meine Krankenkasse eingereichten – Widersprüche wurde festgestellt, dass die Krankenkasse nicht fristgerecht auf meinen letzten Widerspruch reagiert hatte und dementsprechend eine Zusage zur OP erfolgen musste.
Zitat Krankenkasse: „Die Abhilfe erfolgte aufgrund der eingetretenen Genehmigungsfiktion gemäß § 13 Abs. 3a Satz 6 SGB V“.


Hier der diesbezüglich relevante Gesetzestext:
Sozialgesetzbuch (SGB) Fünftes Buch (V) - Gesetzliche Krankenversicherung - (Artikel 1 des Gesetzes v. 20. Dezember 1988, BGBl. I S. 2477) § 13 Kostenerstattung
(3a) Die Krankenkasse hat über einen Antrag auf Leistungen zügig, spätestens bis zum Ablauf von drei Wochen nach Antragseingang oder in Fällen, in denen eine gutachtliche Stellungnahme, insbesondere des Medizinischen Dienstes, eingeholt wird, innerhalb von fünf Wochen nach Antragseingang zu entscheiden. Wenn die Krankenkasse eine gutachtliche Stellungnahme für erforderlich hält, hat sie diese unverzüglich einzuholen und die Leistungsberechtigten hierüber zu unterrichten. Der Medizinische Dienst nimmt innerhalb von drei Wochen gutachtlich Stellung. […] Kann die Krankenkasse Fristen nach Satz 1 oder Satz 4 nicht einhalten, teilt sie dies den Leistungsberechtigten unter Darlegung der Gründe rechtzeitig schriftlich oder elektronisch mit; für die elektronische Mitteilung gilt § 37 Absatz 2b des Zehnten Buches entsprechend.
ERFOLGT KEINE  MITTEILUNG eines hinreichenden Grundes, GILT DIE LEISTUNG NACH ABLAUF DER FRIST ALS GENEHMIGT.


Das heißt, aufgrund dessen, das der Petitionsausschuss in Prüfung meiner Angelegenheit darauf gestoßen ist, MUSSTE die Krankenkasse die OP wegen Fristüberschreitung dann doch bezahlen.

Insofern kann ich nur empfehlen, die Daten seiner Antragsschreiben akribisch zu notieren und die lfd. Geschehnisse bezüglich ihrer Fristenregelungen genau im Blick zu behalten.


Wer sich an den Petitionsausschuss wenden möchte, sollte so kurz als möglich seine Problemlage schildern, einzureichende Unterlagen möglichst übersichtlich ordnen und so knapp wie möglich halten.
Wichtig und Richtig ist, dass der Petitionsausschuss keinesfalls das 1. Mittel / der 1. Schritt im Kampf um eine Kostenübernahme ist.
Arbeitet zuerst die Auflagen der Krankenkasse zu ambulanten Therapien so umfassend wie nur möglich ab, dokumentiert alles genau und sammelt die Nachweise und Befundberichte.
Geht den korrekten Weg über Antragstellung - > bei Ablehnung in den Widerspruch - > bei wiederholter Ablehnung noch mal in den Widerspruch.
Dann wird die Kasse zuständigkeitshalber den Vorgang an das regional zuständige Sozialgericht weiter verweisen.
Wird dort keine Einigung erzielt, kann auch noch das Landessozialgericht Deines Bundes-landes als weitere Instanz tätig werden.
Das Anschreiben an den Petitionsausschuss hat bei mir zwischenzeitlich in den Ablauf der Dinge eingegriffen und damit – wahrscheinlich aus Kostengründen auch so gewollt – den Aufwand und die Kosten für Gerichtsentscheide/e verhindert.

Ich hoffe, dass einigen Menschen – die sich mit einer Kostenübernahme plagen müssen, dieser Bericht eine Hilfe sein konnte.

Mein OP Erfolg Stand 20.09. (OP war am 16.07.2020) möchte ich hier zusammenfassen:

- bisher 25kg Gewichtsabnahme nach anfänglich steilem Abfall
- nun langsam und weitestgehend kontinuierlich fortschreitend
- immer mal mit kurzzeitigen zwischenzeitlichenm Stillständen
- ENDE der morgendlichen „VICTOZA“- (1,2 ml) und abendlichen „LANTUS“- (32 ml) Injektion
- Blutzuckerwerte lassen sich mit Metformin sehr gut kontrollieren
- Metformin- Medikation wird perspektivisch auch wegfallen (ist inzwischen geschehen)
- Das Bluthochdruckmedikament konnte ebenfalls abgesetzt werden
- Beweglichkeit und Agilität haben sich deutlich verbessert
- die Gelenke müssen nun weit weniger Gewicht (er-) tragen
- Die Lebensqualität hat sich erheblich verbessert.
- Heißhungergefühle habe ich kaum noch gehabt
- ein tolles Gefühl, mich immer satt zu essen ohne davon zuzunehmen
- auch das Selbstwertgefühl wurde besser
- die Anspielungen auf mein Übergewicht bleiben aus – verkehren sich eher ins Gegenteil
- die Chance gesünder älter werden zu können ist deutlich gestiegen


Perspektiven:
- weiterer Gewichtsverlust in den nächsten Jahren (insgesamt 35kg nur durch die OP)
- eventuelle Rückbildung der Polyneuropathie durch entsprechender Behandlung


Nachteile bisher – kaum nennenswert und nicht schlimm, nur diese:

- eiweißreiche Ernährung einhalten (problemlos zu erfüllen)
- bestimmte Vitamine regelmäßig einnehmen (auch problemlos)
- Vitamin B12 je vierteljährlich spritzen (problemlos)
- die „Synchronisation“ von Appetit und Magenvolumen „die Augen" sind noch häufig "größer
   als der Magen“ sind.
- zwei Kleidergrößen kleiner erforderten ein Neueinkleiden (kein Problem per Internet)
- meine Getränkemenge ist noch nicht täglich kontinuierlich und ausreichend genug


Solltest Du mehr zu einer Magen- OP erfahren wollen, schaue Dich doch hier auf unserer Homepage um.
Du findest hier kompaktes Erlebnis- und Erfahrungsbasiertes Wissen, Essenzen aus umfangreichen Internetrecherchen,  die Betrachtung aus Angehörigensicht, Ernährungs-tipps, leckere Rezepte und auch das so wertvolle Insiderwissen eines Selbstoperierten, das so detailliert und kompakt nirgendwo sonst zu finden ist.
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Euer Olli!

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